art & culture, history, literature

Joe May alias Julius Mandl. Ein Filmpionier. Tagung in Hamburg.

Die Tage in Hamburg haben viele Gedankenanstöße gebracht. Die Tagung über Joe May hat einmal mehr deutlich gemacht, wie eng Film, Theater, Operette und Kabarett der Zwischenkriegszeit miteinander verknüpft sind – und eigentlich geht das noch viel weiter: Wenn in einem Film plötzlich Innenaufnahmen der Wiener Staatsoper gezeigt werden, erhalten diese Bilder auch architekturhistorische Bedeutung. Die Kostüme eines Faschingsballs, das Interieur von Bars und Wohnungen, das Verhalten und die spezielle Interaktion der Menschen, die Musik, die Bands samt Sängern etc – sie alle geben der theoretischen Forschung ein Gesicht, eine Stimmung, eine Atmosphäre – und genau dieser Aspekt gewinnt dadurch an so großer Bedeutung.

Die zunehmende Digitalisierung der Filme kann nur unterstützt werden – so können wir auch visuell in diese Zeit eintauchen.

Der Vorspann zu Arm wie eine Kirchenmaus ist ein herausragendes Dokument des Kabaretts: Fritz Grünbaum und Paul Morgan gestalten den Vorspann als geniale Doppelconference, die direkt in die Kabaretts von Wien und Berlin vor 1933 resp. 1938 führt und diese Kunstform plötzlich lebendig werden lässt. Was für ein Geschenk, solche Filmmomente erleben zu können.

Die Diskussionen bei der Tagung verlieren sich immer wieder auch im Detail – dazu gäbe es viel zu sagen, ein eigenes Dokument über die Gestaltung von Tagungen existiert parallel…

Doch ein Aspekt, der in all der akademischen Diskussion völlig untergeht und der leider in einer unsäglichen Tradition steht, fehlt: Die Filme mussten kommerziell erfolgreich sein – und da kann man noch so sehr über künstlerische Detailfragen diskutieren: Dies war der wichtigste Antrieb. Daher wurden eben keine Settings in der Gegenwart präferiert – denn die Gegenwart war düster und das Publikum wollte in eine bessere Welt entfliehen, um zwei Stunden lang Freude und Unbeschwertheit zu erleben.

Da kann jede theoretische Diskussion einpacken – denn der schnöde Mammon war vorherrschend.

Natürlich sind Details zur technischen, künstlerischen und innovativen Umsetzung interessant und spannend – doch der kommerzielle Hauptmotor treibt alles an – offenbar ist diese Realität sogar noch heutzutage im Jahr 2018 so manchem unheimlich. Doch so war und ist die Lage der Unterhaltungsbranche. Hit oder Flop – das entscheidet sich rasch.

 

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