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May 2018

art & culture, history, sommerfrische

Neue Bücher. Der Attersee und die vertriebenen Künstler der Volksoper.

Das Buch über die vertriebenen Künstler der Volksoper macht mir zu schaffen. Am Anfang war meine Sorge, kein Material zu finden, nicht zu wissen, wie ich zu den Menschen komme. Über Besetzungszettel und das Bühnenjahrbuch hat sich jedoch rasch eine Gruppe an Menschen gefunden, die nun im Mittelpunkt stehen. Doch es ist nur eine willkürlich ausgewählte Gruppe als pars pro toto. Im Laufe der Recherche steigert sich die Beschämung, dass ich offenbar die erste Forscherin aus Österreich bin, die sich für deren Schicksal interessiert. 70 Jahre nach dem „Anschluss“. Und dass Dokumente en masse existieren – man muss die Quellen wahrlich nur von der Straße aufheben, sie liegen da und warten auf Interesse. Eine unglaublich traurige Situation.

Da gibt es das grauenhafte Schicksal der Sängerin Ada Hecht, dokumentiert durch ihre Briefe an ihren Sohn Manfred, der rechtzeitig nach Amerika flüchten konnte. Das Leo Baeck Institut hat die Briefe digitalisiert – 600 Seiten Verzweiflung, Panik, Todesangst und unendliche Liebe für den Sohn. Der berühmte und angesehene Direktor der Oper in San Francisco, Kurt Herbert Adler, ist wohl so manchem geläufig – doch wer hat die 1800 Seiten transkribierter Interviews mit ihm gelesen? Ein Gigant der Opernwelt. Peter Paul Fuchs, Assistent von Bernstein und angesehener Dirigent, stand im Mittelpunkt eines europäischen Musiker-Netzwerkes – und doch bin ich offenbar die Erste, die die 99-jährige Witwe interviewt. Sie ist glücklich und dankbar – und ich zutiefst beschämt. Ein aktuelles Photo von ihr zeigt eine unglaublich elegante, gestylte Erscheinung – eine bestens gealterte Primaballerina mit Stock an der Ballettstange. Was für ein Geschenk. Hans Holewa setzt gegen viele Widerstände die Zweite Wiener Schule in Schweden durch – und sein Sohn schickt mir Photos eines Charakterkopfes, für den sich bis jetzt in Österreich fast niemand interessiert hat. Ich kenne einen einzigen gebürtigen Guatemalteken – und sein Großvater bürgt für ein jüdisches Ehepaar aus Wien, deren Schwiegersohn Franz Ippisch einer der bedeutendsten Cellisten Österreichs war. So komme ich mit den Nachkommen in Kontakt – ein Zufall? Das glaube ich schon lange nicht mehr.

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen – und zeigt, dass ich maßlos überfordert bin von all den Informationen, Materialien, Dokumenten, die vor meinen Augen wachsen. Allein in Wien finden sich Nachlässe, die wohl noch niemand genau studiert hat. Wer erinnert sich an Marco Frank? Man muss nur in die Wienbibliothek gehen, dort eröffnet sich sein ganzes Leben. Vielen von ihnen gelang die Flucht via Lissabon – was für ein merkwürdiger Umstand, dass ich gerade in dieser Phase mit einer Freundin für vier Tage dorthin reise und die Atmosphäre dieser Stadt empfinden darf.

Die Erwartungshaltung an dieses Buch ist enorm – und setzt mich nicht unter Druck, sondern gibt mir die Gewissheit, dass diese Forschung wichtig und richtig ist und dass auch 70 Jahre nach dem Einsetzen des Grauens ein gigantischer Aufholbedarf besteht. Auch wenn es Gegenwind gibt – aber den ignoriere ich leicht.

Dies alles mischt sich mit dem großen Interesse an meinem Attersee-Buch – fünf Buchpräsentation allein im Juni zeigen, dass mein Ansatz einen Nerv trifft. Und dass das Jüdische Museum eine eigene Präsentation macht, gibt den Menschen, die wie alle anderen auch den Sommer im Salzkammergut verbringen wollten und brutal vertrieben wurden, ihre Geschichte und ihre Würde zurück. Doch die Scham bleibt – es ist viel zu viel Zeit vergangen. Und es gibt unendlich viel zu tun.

editorial, family

Der zweite Blog

Ich muß ja aufpassen, was ich hier schreibe – zumal es der zweite Blog ist, den ersten gibt es noch gut versteckt in den Tiefen des Internets. Im Grund ist dieser Blog die beste Idee ever, besser als Facebook, auch wenn man ihn aktiv aufsuchen muß und der beständige Informationsregen nicht auf einen nieselt. Hier geht es um bewußte und aktive Informationsaufnahme, um willentliches Teilhaben am schöpferischen Leben des wunderbarsten Menschen, den es auf diesem Planeten gibt. Nicht ohne Ecken und Kanten, manchmal in ihrer Regelfindung undurchschaubar, manchmal gewollt mysteriös, immer mondän, und doch in Wirklichkeit ganz zurückgezogen. Ein Leben auf, neben und hinter der Bühne des öffentlichen Lebens – vielleicht sogar das auf dieser gespielte Stück mitschreibend. Kleine Resa – Du wirst auch diesen Blog zu nutzen wissen! T.

family

Wie alles begann mit uns…

Der 15.3.1970 war der Wendepunkt in unseren Leben :-). Seit meinem damaligen Erscheinen sind wir miteinander unterwegs.

Wo fang ich an? Beim gemeinsamen Kinderzimmer, wo alle Stofftiere Platz hatten? Bei den Ferien im Winter in Kirchberg oder in der Flachau? Bei St. Gilgen? Bei unserer Familie hier und in Schweden; Familie als Sammelbegriff, egal ob blutsverwandt oder nicht? In der Schule, wo wir uns jahrelang die Jause und den Turnunterricht geteilt haben und auch gemeinsame Freunde hatten? Bei den Maltesern, wo Du manchmal Höllenqualen gelitten haben musst, weil ich meine Emanzenphase voll ausgelebt habe?

So viele Anfänge kann ein Leben gar nicht haben. Also machen wir aus vielen Strängen einen und fangen einfach an.

Die große Schwester, hinter der man sich versteckt hat, weil sie immer mutig voranmarschiert ist. Die bis heute beim Wort „Schlussrechnung“ die Augen verdreht, weil sie behauptet, dass ich es eh schon längst verstanden hab.

Überhaupt haben Wörter oder Wortgruppen eine besondere Bedeutung in unserem Leben. Bücher und Schriften aller Art waren schon von jeher unsere Begleiter (Von Heinrich Böll bis zum Neuen Blatt). Dass Du Autorin geworden bist, war eigentlich schon vorprogrammiert :-).

Die große Schwester, die bei aller Sprachbegabung leider mit Latein (meine Lieblingssprache) gekämpft hat und die das Wort „parentes“ bis heute verleugnet.

Die große Schwester, die nie um eine Antwort verlegen ist. Bisher hab ich es nur einmal in unserem Leben geschafft, dich sprachlos zu machen. Franz Schmidt und Nikolaus Harnoncourt sei Dank! Am zweiten Mal war nicht ich schuld und seit damals hat der Satz: „Kennen wir uns?“ eine geflügelte Bedeutung in der Familie! Opernreisen mit einer Fangirl-Schwester haben also auch etwas Positives!

Die große Schwester, die zur ultimativen Tante wurde, als meine zwei wichtigsten Menschen in unser aller Leben traten. Ohne Dich und Mami wäre meine spätere Berufstätigkeit nicht in dieser Form möglich gewesen.

Die große Schwester, die in allen Schwierigkeiten den kühlen Kopf bewahrt – wie das geht, hab ich bis heute nicht begriffen. Geschweige denn, dass ich es selbst hinbekomme.

Die große Schwester als renommierte Autorin, die in ihrer Freizeit (Whatever that means :-)) begeistert im Garten buddelt – am liebsten mit der Heckenschere. „Komm Lisabeth das machen wir schnell“ ist das Motto – auch wenn es bedeutet um 4:00 früh Möbel oder das Ruderboot in Gilgen vor dem Hochwasser zu retten und den Kanal abzudrehen –in welche Richtung nochmal genau?

Die große Schwester, deren Tage 48 Stunden zu haben scheinen und deren Zeitmanagement mir für immer ein Rätsel bleiben wird. Die mit Konsequenz ihre beruflichen Ziele verfolgt, auch wenn es so scheint, als wäre das Ziel fern oder ganz woanders. Und so ganz nebenher geht sich auch noch Kochen für den unbegabten, hungrigen Rest der Familie aus.

Ein kleiner Ausschnitt aus 50 Jahren. Auf die nächsten 120!

Mazel tov und viele Bussi.

editorial, friends

Liebe Marie-Theres!

So viele Jahre sind wir nun schon mit Dir, liebe Marie-Theres befreundet! Und in all den Jahren durften wir so viel mit Dir erleben. Wir durften mit Dir schöne und schwierige Zeiten durchleben, wir durften lachen, weinen, lernen und uns einfach mögen. Dafür zu danken ist in mancher Freundschaft schwierig. Hier nicht.

Wir Freunde finden, dass diese unsere Verbundenheit mit Dir so wichtig für uns ist, dass wir sie hier gern in Episoden erzählen möchten. In Episoden aus der Vergangenheit und in Episoden einer hoffentlich langen und gesunden Zukunft, die uns, mit Verlaub, allen zusammen beschieden sein soll.

Sie mögen Dich und uns alle inspirieren, schmunzeln oder auch nachdenklich innehalten lassen. Jedenfalls aber sollen sie Dir einen Gefühl dafür geben, in wie vielen Herzen Du einen besonderen Platz gefunden hast in Deinen ersten 50 Jahren und in all denen, die wir noch gemeinsam durchleben wollen.

So ein Blog ist für Dich als erfolgreiche Autorin gleichzeitig Chance und Auftrag. Die Chance, etwas zu schaffen, worin wir alle immer wieder gern blättern, lesen, uns erinnern oder uns einfach bereichern und inspirieren lassen, die Chance, Deine eigene Vielfalt und die Deiner wunderbaren Freunde hier abzubilden, und der Auftrag, ausgewählte von den vielen lieben und interessanten Menschen, die Dir beruflich wie privat begegnen, einzuladen und anzuhalten, hier Geschichten zu schreiben. Vielleicht sollten wir erwähnen, dass wir natürlich darauf zählen, dass auch Du hier schreibst. Der Blog heisst ja nicht umsonst ‘MT and friends’.

Was vor 50 oder 100 Jahren wohl ‘Marie-Theres Salon’ geworden wäre, das wird nun, so unsere Hoffnung, dieser Blog. Vernetzung, auch kulturelle und inhaltliche, passiert eben anders heute.

So beschenken wir Dich mit diesem Blog und wir legen Ihn Dir um den Hals wie eine Auszeichnung. Möge er Dir immer leicht sein und Freude bereiten, möge er prall gefüllt sein mit allem, was Du im Leben magst und dem, was Du für bekämpfenswert hältst.

Auf dass wir in den wichtigen Momenten unseres Lebens nicht vergessen, was wirklich wichtig ist im Leben: die Menschen, die wir lieben und mit denen wir unser Leben teilen.

Sei fest umarmt und gefeiert!

Deine Freunde